Mit großer Mehrheit brachte der Rat der Stadt am 20.10.2011 das Zukunftskonzept für die Künstlersiedlung Halfmannshof auf den Weg. Bei nur drei Gegenstimmen (BBG) und zwei Enthaltungen (PRO NRW) wurde beschlossen, dass nach den vorgelegten Leitlinien mit Planungen für den Umbau des Halfmannshofes begonnen werden soll. Denn ein "Weiter so", da waren sich alle großen Fraktionen einig, kann es für den Hof nicht geben.
Kulturdezernent Dr. Manfred Beck brachte die Vorlage so auf den Punkt: "Sie müsste eigentlich heißen: Rettung der Künstlersiedlung." Und bezog sich damit auf die in den letzten Wochen erhobenen Vorwürfe einer vorgeblichen, im Kern aber von Funktionären des "Bürger-Bündnis-Gelsenkirchen / BBG" (ehemals Ratsfraktion "Die Linke") getragenen Bürgerinitiative zur Beibehaltung des Status Quo.
Kulturausschuss-Vorsitzender Dr. Günter Pruin (SPD) trat an, um "die von interessierter Seite betriebenen Märchenstunden mit der Realität zu konfrontieren". Er wies darauf hin, dass der Künstlerhof inzwischen im kulturellen Leben der Stadt "eine eher ungeordnete Rolle spielt", dass es einen zerstrittenen Verein gäbe, der Veränderungsbereitschaft vermissen lasse. Vehement protestierte Dr. Pruin gegen Behauptungen, der Hof solle zerstört werden. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall: "Wir wollen den Halfmannshof retten!"
Beschluss des Rates der Stadt Gelsenkirchen vom 20.10.2011:
Die Verwaltung wird beauftragt, entlang den in der Problembeschreibung aufgeführten Leitlinien die Planungen mit den Projektbeteiligten für eine Zukunft des Halfmannshofs als dynamisches, überregional beachtetes und nachhaltiges Kreativzentrum v. a. in den Bereichen Bildende Kunst, Design, Kunsthandwerk, Kreativberufe und Kunstausbildung einschließlich des Finanzierungskonzepts voranzutreiben,
Dazu soll der Halfmannshof erweitert und offen werden für privatwirtschaftliche wie auch bürgerschaftlich und gemeinnützig organisierte Wohn-, Lern- und Arbeitsformen.
Der Charakter des Halfmannshofs als Wohn- und Arbeitsort, an dem sich unterschiedliche Formen der Kunstentwicklung und Produktion gegenseitig befruchten und die interessierte Öffentlichkeit ansprechen und bereichern, ist so weit wie möglich in verbesserter Form wieder herzustellen.
Dadurch soll die Künstlersiedlung als solche nachhaltig gesichert werden. Für die Umsetzung bedarf es eines gesonderten Beschlusses.
Die Leitlinien für die weitere Vorgehensweise
- 1. Auf dem Halfmannshofsoll das Kreativquartier Halfmannshof Gelsenkirchen entstehen. Dieses soll sich im Zentrum des Ruhrgebiets als offenes, dynamisches und qualitätvolles Kunstzentrum etablieren und sich über die Bildende Kunst hinaus weiteren Kunstformen öffnen.
- 2. Das Kreativquartier Halfmannshof Gelsenkirchen soll aus einer ausgewogenen Mischung von Privateigentum, Mietwohnungen, Ateliers und Wohnungen für Stipendiaten und Ausstellungsräumen bestehen. Dazu dient das Konzept des Büros Felder als städtebauliche und architektonische Grundlage.
- 3. Die Flächen im Bereich des heutigen Wohnhauses und Atelierhauses sollen privatisiert werden. Die Altbauten werden von einem neuen, gemeinnützigen Träger übernommen. Ein Neubau wird durch die ggw gebaut und vermietet, zwei weitere Neubauten werden durch die ggw errichtet und als Einzeleigentum veräußert.
- 4. Auch die Eigentümer der Privathäuser sollen in das Konzept Kreativquartier Halfmannshof Gelsenkirchen aktiv und dauerhaft eingebunden werden.
- 5. Der neue, gemeinnützige Träger hat die Aufgabe, nicht nur die Miet- und Atelierräume zu verwalten, sondern auch die öffentlichkeitswirksamen und kulturellen Aktivitäten des Kreativquartiers Halfmannshof Gelsenkirchen zu organisieren und zu koordinieren.
- 6. Die Verwaltung wird sich intensiv um die Verankerung des Kreativquartiers Halfmannshof Gelsenkirchen in den einschlägigen Förderprogrammen von Land, Bund und EU einsetzen.
- 7. Mit den jetzigen Mietern auf dem Halfmannshof sollen im Rahmen des Mietrechts einvernehmliche und sozialverträgliche Lösungen für den für die Umsetzung der anstehenden Maßnahmen notwendigen Freizug der Wohnungen gefunden und eine Unterstützung bei der Suche nach neuen Wohn- und Arbeitsräumen angeboten werden.
Stadt Gelsenkirchen: Eine Zukunft für die Künstlersiedlung Halfmannshof
Ratsinformationssystem: Zukunftskonzept Künstlersiedlung Halfmannshof (Vorlage 09-14/2825)
Redemanuskript von Dr. Günter Pruin (SPD)